Geschichte des Vereins

Wie die Chronik berichtet, besaß Botnang schon im 17. Jahrhundert 95 Morgen Weinberge in den Lagen: Kirchhalde, Kühorn, Sommerhalde, Gallenklinge, Kullenberg und Himmerreich. Immer mehr Land wurde dem Wald, welcher Botnang auf 3 Seiten umgab, abgerungen.

Wenn auch im 18. Jahrhundert noch etliches Land für den Weinbau urbar gemacht wurde, so zeigte sich doch, dass nicht alle Lagen dafür geeignet waren. Trotzdem waren es 1890 noch 100 Morgen, welche mit Silvaner, Gutedel, Trollinger und Elbling bestockt waren. Doch auch der Obstbau spielte damals schon eine wichtige Rolle, wenngleich auch hauptsächlich Mostobst angebaut wurde. Jedoch auch der Anbau von Tafelobst fand immer mehr Liebhaber, und so war es nicht verwunderlich, dass um die Jahrhundertwende die noch nicht organisierten Gartenbesitzer anlässlich einer Ausstellung in Vaihingen einen Preis errangen. Diese Erfolge veranlassten Friedrich Anstett zur Gründung des „Obst- und Weinbauvereins Botnang“ im Jahre 1905, welcher an die Sektion Vaihingen angeschlossen war.1902_Diplom

Nach dem Tod des Friedrich Anstett übernahm zunächst der pensionierte Lehrer Jacob Walker den Vorstand. Im Jahre 1911 wurde Herr David Schwarz zum Vorstand gewählt. Unter seiner Federführung löste sich der Verein 1912 von Vaihingen und trat dem Württembergischer Obstbauverein bei. Gleichzeitig wurden Statuten beschlossen und der Verein im Vereinsregister eingetragen.

In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg begann der Weinbau nach verschiedenen Fehljahren und wegen Absatzschwierigkeiten mehr und mehr nachzulassen.Die Weinreben wurden herausgehauen und an deren Stelle Obstbäume gepflanzt.

Inzwischen hatte sich Stuttgart hauptsächlich gegen Westen hin ausgebreitet, so dass viele Gärtner in die Vororte ausgewichen sind. Aber auch viele Stuttgarter Bürger erwarben in Botnang Gärten, hauptsächlich in den für die Einheimischen entfernter gelegenen und schwerer zu bewirtschaftenden Gewannen, nämlich in der Gallenklinge und im Bauernwald. Für diese Stuttgarter war die Erschließung ihres Gewannes durch Wege und Wasserleitungen und eine spätere Bebauungsmöglichkeit wichtiger als der augenblickliche Nutzen, weshalb ihr Zusammenschluss mehr im Hinblick darauf erfolgte.

So gründete Friedrich Kneissler 1912 den Gartenbesitzerverein Gallenklinge und Eugen Jennewein 1913 den Güterbesitzerverein Bauernwald, welche sich später zusammenschlossen.

1926 kam es dann zur Verschmelzung dieser Vereine mit dem Obst- und Weinbauverein, und man gab ihm den Namen „Gartenbesitzer- und Obstbauverein“. Historischer_Briefkopf02

Die Interessen der Mitglieder wurden durch die Bildung von drei Kommissionen, nämlich die Obstbau-, Wegebau- und Vergnügungskommission, wahrgenommen und bis in den 2. Weltkrieg hinein fortgeführt. Aber auch für die Erschließung der Gewanne wurde viel getan, besonders auch durch Eingaben des damaligen Schriftführers Finkbeiner.

Der Wunsch nach einem eigenen Garten wurde immer stärker. Verschiedene Angebote scheiterten durch den Preis oder durch die Lage. Nach dem plötzlichen Tod des Herrn Hesser übernahm Robert Bürkle die Führung des Vereins und der Ehrenvorsitzende David Schwarz bot dem Verein ein Grundstück von 11 Ar im Gewann Kaitich um 5000,- RM zum Kauf an. Man wurde sich einig und der Kaufpreis wurde durch Ausgabe von Anteilscheinen aufgebracht, welche später zurückgezahlt wurden.

Der Verein wuchs zu stattlicher Größe heran und dank dem Einsatz einiger Männer, vor allem dem Ehrenmitglied Wilhelm Laur, errang der Verein den 1. und 2. Preis 1931 bei der großen Landesausstellung in der Gewerbehalle in Stuttgart. Eine eigene Vereinszeitung sorgte für die fachliche Weiterbildung.1955_50_Jahrfeier02

Die Zeit vor dem 2. Weltkrieg brachte neue Schwierigkeiten und es wurde versucht, die Gartenbauvereine dem Reichsnährstand einzuverleiben und damit die Selbständigkeit aufzuheben. Aber durch geschickte Verhandlungen und die Änderung des Namens in „Gartenbauverein Botnang“ im Jahre 1938 blieb der Verein unter dem Vorsitz von Richard Stieger erhalten.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde dann die Eintragung ins Vereinsregister in „Obst- und Gartenbauverein Botnang“ geändert und der vorübergehend eingesetzte Vorstand wurde von August Anstett abgelöst. Dieser rührige Mann, welcher nicht nur die obstbaulichen Belange wahrnahm, sondern auch auf kommunalpolitischem Gebiet als Mitglied des Bezirksbeirats sich große Verdienste erwarb, verstand es, den Verein in kurzer Zeit zu neuer Blüte zu führen und im Jahre 1955 für den Vereinsgarten einen 1. Staatspreis zu erringen.

Der wirtschaftliche Aufschwung und der Wunsch, an den schönen Hängen zu bauen, veranlasste die Stadtverwaltung zur Aufstellung von Bebauungsplänen für die Gewanne Sommerhalde und Kirchhalde. Die vorgesehene Bebauung stieß aber auf Widerstand und es wurde eine Interessengemeinschaft gebildet, wobei auch der Verein maßgebend beteiligt war. Die Pläne wurden aufgrund der vielen Einsprachen so abgeändert, wie es sich uns heute präsentiert. Auch für die Gewanne Aspenwald und Bauernwald wurden Pläne ausgearbeitet.

Nun erfolgte die Baulandumlegung, die Erschließung und Bebauung dieser Gewanne und damit begann eine grundsätzliche Umstrukturierung. Die Obstgärten verschwanden mehr und mehr und Häuser mit größeren oder kleineren Gärten entstanden.

Als im Jahre 1964 August Anstett sein Amt niederlegte, wurde er aufgrund seiner großen Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt. Neuer Vorstand wurde Reinhold Rieger.

Nun galt es, die neuen Besitzer für den Verein zu gewinnen. So wurde neben den praktischen Unterweisungen und Vorträgen auch die Werbetrommel gerührt und es gelang, nicht zuletzt wegen des Bezugs verbilligter Düngermittel, viele neue Mitglieder zu werben. Im Laihle und Spitalwald wollten die Grundstückseigentümer auch in den Genuss eines eigenen ”Häusles” kommen und so wurde die Stadt zur Erstellung eines Bebauungsplans getrieben. Aber es sollte anders kommen, als viele gedacht haben.

Im Jahre 1968 kaufte die Firma Elementa nach und nach alle Grundstücke auf und der aufgestellte Bebauungsplan erregte die Gemüter heftig. Aber letzten Endes siegten die Käufer, und wo einst Gärtnereien und Obstgärten waren, wuchs eine moderne Trabantenstadt heran.1975_Pachtgarten_Friedhof

Damit war auch das Ende des gepachteten Gartens gekommen. Nur wenige Jahre später geschah dasselbe für die Gewanne Kaitich, Belau, Himmerreich. Nun war der Verein vor die Frage gestellt, ob er seinen Garten an die Bauträger verkaufen soll oder nicht. Die Bemühungen, einen Ersatzplatz zu finden, blieben erfolglos, da die Stadt keinen solchen anbieten konnte.

Die im Tale des neuen Baugebiets gelegenen Plätze beanspruchte die Stadt für sich für ein zu bauendes Schulzentrum. In dieses Gebiet fiel auch der Vereinsgarten und bei einem späteren unumgänglichen Verkauf wäre kein so guter Preis von der Stadt bezahlt worden. Nach einer lebhaften Diskussion bei der Mitgliederversammlung am 26. 2. 1972 wurde beschlossen, den Garten zu verkaufen und das Geld wertbeständig anzulegen. Der seitherige Garten konnte von der Stadt vorläufig gepachtet werden. Als dann aber im Jahre 1978 die Bebauung und die Herstellung von Straßen begann, dem ein Teil des Gartens zum Opfer fiel, musste auch dieser aufgegeben werden.

Von den beliebten und immer gut besuchten praktischen Unterweisungen profitieren nun die Mitglieder in deren Gärten diese Veranstaltungen durchgeführt werden. Die in diesem Jahr 75jährige Geschichte des Vereins bestätigt die Notwendigkeit und das Interesse der Freizeitgärtner an dem Zusammenschluss in einem Verein, welcher nicht nur für die persönliche Unterrichtung in allen Fachfragen mit Rat zur Seite steht, sondern auch einen wesentlichen Teil zur Verschönerung des Ortsbildes und zum Umweltschutz beiträgt.

So geht der Verein mit Zuversicht und mit guter Hoffnung auf das Gelingen der in der Satzung niedergelegten Ziele der Zukunft entgegen.

Soweit der Text aus der Jubiläumsbroschüre von 1980. Dem gibt es nicht viel hinzuzufügen.

1992 legte Reinhold Rieger aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als 1. Vorsitzender nach 27-jähriger Tätigkeit nieder. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Wolf-Dieter Laiblin übernahm das Amt des Vorsitzenden und leitete die Geschicke des Vereins bis zum Jubiläumsjahr 2005. Stark unterstützt wurde er hierbei durch den zweiten Vorsitzenden, Herbert Müller, der die Verwaltung des Vereins übernommen hat und außerdem die Programmplanung vorantreibt, unterstützt natürlich durch rege Mitarbeit von Ausschussmitgliedern. Herbert Müller engagiert sich darüber hinaus auf der Ebene des Kreisverbandes, der Region und des Landesverbandes.

Im Januar 2006 wurde Hans Jennewein zum ersten Vorsitzenden gewählt. Herbert Müller mit seiner langjährigen Erfahrung ist nach wie vor als zweiter Vorsitzender tätig. Herr Laiblin wurde nach seinem Rücktritt zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Herr Müller wurde im Jahr 2009 zum Ehrenmitglied ernannt.

Die Verwandlung des Stadtteils Botnang vom Dorf der Obst- und Weingärtner und Arbeiter zum angenehmen Zuhause vieler Zugezogener wurde in der Chronik von 1980 beschrieben. Gärtnereien sind weggezogen, Wohnanlagen wurden errichtet und Wochenendgrundstücke mit Einfamilien- und Reihenhäusern bebaut, teilweise von großen Gärten umgeben. Diese Gärten werden nicht mehr gebraucht, um sich mit Obst, Beeren und Gemüse zu versorgen. Wenige betreiben dies noch, einfach weil sie Vergnügen daran haben, Eigenes zu ernten. Das Dorf hat sich fast überall bis an den Wald ausgedehnt, deshalb gibt es außerhalb nur noch wenige Gärten. Auch hier gilt: das Freizeitvergnügen steht an erster Stelle, nicht der Nutzen. Auf diese Situation muss der Verein sich mit seinem Angebot an Veranstaltungen einstellen, soll er weiterhin für viele Mitglieder attraktiv bleiben.